Geschichte

Der Weg des Rollstuhlhandballs in Deutschland

Die Entstehung des Rollstuhlsports ist eng verknüpft mit der Einführung moderner Behandlungsmethoden für Querschnittgelähmte.

Während des 2. Weltkriegs revolutionierte der deutschstämmige Neurologe Sir Ludwig Guttmann die medizinische Rehabilitation mit Schwertbehinderten, indem er sie durch Sport funktionell und psychisch stabilisierte. Der Sport übernahm hierbei eine wesentliche Funktion für alle therapeutischen Maßnahmen. Darüber hinaus kam ihm die Aufgabe zu, vorhandene Ängste bei den Betroffenen und Vorurteile bei den Nichtbehinderten abzubauen.

1956
Das außerordentliche sozialpolitische Geschick von Sir Ludwig Guttmann ließ ihn den Rollstuhlsport mit der olympischen Idee verknüpfen und als internationales Sportfest organisieren. An der 5. Austragung dieser Spiele in Stoke Mandeville in England nahm erstmals auch eine deutsche Mannschaft aus 11 querschnittgelähmten Kriegsversehrten teil. 

In der Bundesrepublik übernahmen zuerst die berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken die von Guttmann entwickelten Behandlungsmethoden. Tägliche sportliche Betätigung wurde zum Bestandteil einer langwierigen klinischen Behandlung mit dem Ziel der beruflichen und gesellschaftlichen Rehabilitation.

Bis in die sechziger Jahre hatten die Querschnittgelähmten keine Möglichkeit, die in den Kliniken mühsam erworbene körperliche Leistungsfähigkeit auch nach der Entlassung zu erhalten. So war es naheliegend, dass zuerst an Orten mit berufsgenossenschaftlichen Kliniken und erst später an anderen Orten Rollstuhlsportgruppen gebildet wurden. 

1966
Ab sofort wurden jährliche Sportfeste ausgerichtet, durch die immer mehr Rollstuhlfahrer zu sportlicher Betätigung motiviert wurden. Bald nahmen die Querschnittgelähmten ihre sportlichen Geschicke selbst in die Hand und organisierten eigene Wettkampfveranstaltungen.

1977 
Der Deutsche Rollstuhl-Sportverband (DRS) wurde gegründet.

1978
Der DRS wurde als Fachverband in den Deutschen Behinderten-Sportverband (DBS) aufgenommen.

1980
Offiziell wurden erstmals auch nichtgelähmte Rollstuhlsportler (Amputierte, Dysmele, Behinderte mit Glasknochen etc.) zum Wettkampfsport zugelassen.

1981 
Als Voraussetzung für eine dauerhafte finanzielle Förderung des Rollstuhlsports wurde die „Gesamtvereinbarung über den ambulanten Behindertensport“ geschaffen. 

1993
Während des Coaching - Symposium des IHF in Leipzig fand ein erstes Rollstuhlhandball-Spiel statt. Auch die Universität von Campinas spielte bereits Rollstuhlhandball, jedoch ohne klare Regeln.

1994
Die Rollstuhl-Sportgemeinschaft (RSG) Hannover ´94 e.V., welche später Pionier im Rollstuhlhandball Deutschland wird, wurde gegründet.

2005
Erstmalig wurde Rollstuhlhandball beim IHF-Symposium für Trainer und Schiedsrichter in Bangkok/Thailand vorgestellt. In Brasilien wandelte sich Rollstuhlhandball zu einem Wettkampfsport.

2006
Die Behindertenrechtskonvention forderte die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft: Inklusion ist ein Menschenrecht.  

2008
Der EHF veranstaltete das erste Seminar zum Thema Rollstuhlhandball in Wien/Österreich.

2009
Der IHF wird Vollmitglied des "International Paralympic Committee". Brasilien gründete einen eigenen Rollstuhlhandballverband und trug ein erstes Rollstuhlhandball-Nationalspiel gegen Chile aus.

2013
In Brasilien fanden die ersten inoffiziellen Rollstuhlhandball-Weltmeisterschaften statt. Diese wurden nicht offiziell von der IHF anerkannt. Brasilien gewann alle Kategorien.

2014
Die RSG Hannover '94 e.V. hat Hinweise auf die neue europäische Trendsportart Rollstuhlhandball erhalten, die in Deutschland noch nicht bekannt war. Ein erstes Vorstellen von Rollstuhlhandball erfolgte im Rahmen eines großen Handicap-Sportfests der RSG vor dem Hauptbahnhof in Hannover und fand großen Zuspruch. Die RSG Hannover beschloss Rollstuhlhandball in das Vereinsprogramm aufzunehmen, eine inklusive Rollstuhlhandball-Mannschaft zu gründen und nutzte jeden Auftritt, um Rollstuhlhandball öffentlich zu präsentieren. In Argentinien fand die erste "Panamerikanische Rollstuhlhandball-Meisterschaft" statt.

 

2015
Aus dem anfänglichen Spaßvorhaben, bei dem Rollstuhlhandball auf einer kleinen blauen Sportfläche auf dem Außengelände des Vereinscenters am Maschsee gespielt wurde und der Ball oft aus dem Wasser gezogen werden musste, wurde ein ernsthaftes Unterfangen mit dem Ziel, Rollstuhlhandball als neue Sportart deutschlandweit zu etablieren und einen nationalen Spielbetrieb aufzubauen.
Das erste "Europäische Rollstuhlhandball-Nationenturnier" (offiziell European Wheelchair Handball Nations' Tournament) wurde in Österreich mit einem Sieg der Niederländer ausgetragen.

RSG "BLUE BANDITS" 2016

2016
Beim zweiten "Europäischen Rollstuhlhandball-Nationenturnier" in Schweden verteidigen die Niederländer den Titel des Vorjahres. Die RSG Hannover fasste den Entschluss, Rollstuhlhandball über einen Dachverband in Deutschland aufzubauen.

2017
Dr. Meike Lüder-Zinke wandte sich an den DRS und gründete die Arbeitsgemeinschaft Rollstuhlhandball im DRS, um die Sportart organisiert in Deutschland zu etablieren. Aus der Trainingsgruppe Rollstuhlhandball der RSG Hannover entwickelte sich die inklusive Mannschaft „RSG BLUE BANDITS“ mit einer Kooperation zum Handballbundesligisten TSV Hannover-Burgdorf/Die Recken.

2018
Aufgrund der hohen nationalen Aufmerksamkeit beantragte Dr. Meike Lüder-Zinke die Gründung des Fachbereichs Rollstuhlhandball im DRS aus der Arbeitsgemeinschaft. Die dritte Auflage des "Europäischen Rollstuhlhandball-Nationenturnier" fand in Portugal mit einem Sieg der Gastgeber statt. 

2019
Als erste deutsche Mannschaft nahmen die „RSG BLUE BANDITS“ bei einem internationalen Rollstuhlhandballturnier in Breda/Niederlande (Paragames) teil. National spielte die Mannschaft in Turnieren in Flensburg und Hamburg mit. 

Um den Auftrag der Etablierung der neuen Trendsportart in Deutschland angemessen nachzukommen, wurde von Dr. Meike Lüder-Zinke ein Antrag auf Projektförderung bei Aktion Mensch gestellt. Das vierte "Europäische Rollstuhlhandball-Nationenturnier" fand in Kroatien mit einem Sieg der Gastgeber statt. Es wurde der Beschluss gefasst, ab 2020 offizielle Rollstuhlhandball-Europameisterschaften auszutragen. Die IHF gründete die Arbeitsgruppe für Rollstuhlhandball und beschloss, die erste Rollstuhlhandball-Weltmeisterschaft im Rahmen der Handball-Weltmeisterschaft für Frauen 2021 in Spanien stattfinden zu lassen.

2020
Im Juni verabschiedete der Fachbereich Rollstuhlhandball das erste offizielle Regelwerk für Rollstuhlhandball in Deutschland unter dem DRS. Im November wurde für das Vorhaben der RSG Hannover der Titel "Rollstuhlhandball Deutschland" eingeführt. Die erste offizielle Europameisterschaft in Schweden musste aufgrund der Pandemie verschoben werden. Ebenfalls musste die von der IHF-Ratssitzung in Kairo geplante erste Rollstuhlhandball-Weltmeisterschaft aufgrund der Pandemie abgesagt werden. Es wurde beschlossen, Rollstuhlhandball als neue Sportart bei den Paralympics im Sommer 2028 aufzunehmen. 

2021
Am 11.09.2021 richtet die RSG Hannover `94 e. V. die erste deutsche Rollstuhlhandball-Meisterschaft in Deutschland zusammen mit den Niederländern aus. Im Anschluss startet der Aufbau der Rollstuhlhandball-Bundesliga.

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